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Nordrhein-Westfalen vor 70 Jahren

Kategorie: „Operation Marriage“ 1946

Abschluss

Die Zeit unseres Projektes ist zu Ende. Als wir im vergangenen Jahr den Kurs rund um die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalens belegten, war uns noch nicht klar wohin die Reise gehen sollte.
Die Stunden der Recherche, des Verfassens von Tweets und Blog-Einträgen, sowie die gemeinsame Gruppenarbeit haben uns Stück für Stück näher an unser Ziel gebracht eine möglichst lückenlose und spannende Geschichte des Jahres 1946 zu erzählen. Gerade die Realisation über das Kurznachrichtenportal Twitter, welches für viele bei der Benutzung noch völlig unbekannt war, war eine angenehme und interessante Möglichkeit, einen frischen Wind in alteingesessene Veröffentlichungsmethoden zu bringen.
Jeder von uns hat sich ein spezielles Thema ausgesucht, zu dem er intensiv recherchiert und nicht nur für sich aufschlussreiche Informationen gesammelt hat. Denn unser Anspruch war vor allem auch Menschen die Gründung des Landes NRW näher zu bringen, die sich sonst vielleicht weniger für Geschichte interessieren.
Wir danken euch für eure Aufmerksamkeit und Teilnahme an diesem neuartigen Projekt und hoffen, dass wir euch für das Thema begeistern konnten.

Vielen Dank an das Multimedia-Referat der Landeszentrale für politische Bildung NRW und an Auto-Chirp!

 

Hier findet Ihr unsere Tweets als Tabelle mit Quellennachweis:

März 1946

April 1946

Mai 1946

Juni 1946

Juli 1946

August 1946

September und Anfang Oktober 1946

70 Jahre Landtag Nordrhein-Westfalen

von David Pogatzki

1946 waren der 2. Weltkrieg mit 50 Millionen Toten und die Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Diktatur erst ein Jahr vorüber. Das Land war besetzt und in vier Zonen aufgeteilt. Die Menschen hungerten, die Städte waren zerbombt, die Wohnungen Ruinen und Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen mussten aufgenommen werden.

Und genau vor diesem Hintergrund legten 200 Abgeordnete aus dem Rheinland und aus Westfalen am 2. Oktober 1946  im  Opernhaus zu Düsseldorf den Grundstein für die demokratischen Strukturen des Landes. Ein historisches Ereignis, das damals in der Öffentlichkeit jedoch kaum Beachtung fand.

Wie das Geburtsjahr von Nordrhein-Westfalen trägt auch die Verordnung der britischen Militärregierung zur Gründung des Landes die Zahl 46. Nach langen, schwierigen Verhandlungen zwischen den Alliierten und nach dem Scheitern der Pariser Außenministerkonferenzen im Sommer 1946, über die deutsche Frage und die Zukunft des Rhein-Ruhr-Gebietes, hatte sich die britische Regierung – aufgrund eigener Interessen – zur territorialen Neuordnung der von ihr besetzen Gebiete Deutschlands entschlossen.

Operation Marriage

Mit der als „operation marriage“ bekanntgeworden Landesgründung von NRW sollten die französischen und sowjetischen Internationalisierungspläne für die Industrie an der Ruhr abgewehrt und die Wirtschaftskraft des Landes für den Wiederaufbau Westdeutschlands und Westeuropas genutzt werden.

Die Briten sahen jedoch nicht nur die Fusion der beiden ehemaligen preußischen Provinzen Westfalen und Nordrhein zu einem Land und die Bildung einer Landesregierung vor, sondern auch die Einberufung eines „Ernannten Repräsentativen Rats“ binnen zwei Monaten. Bereits vor Ernennung des ehemaligen Oberpräsidenten von Westfalen, Dr. Rudolf Amelunxen (parteilos), am 1. August 1946 zum Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, standen die nächsten Schritte fest. Als Amtssitz des Ministerpräsidenten und damit als Landeskanzlei sollte das sogenannte Mannesmann-Haus am Rheinknie in Düsseldorf dienen.

Auch die Wahl Düsseldorfs zur Landeshauptstadt ging von britischer Seite aus. Die Militärregierung hatte bereits im Mai 1946 den Regional Commissioner Asbury, den Zivilgouverneur für den Nordrhein, in Düsseldorf angesiedelt. Alle Gespräche, alle Direktiven gingen damit vom Stahlhof in Düsseldorf aus. Von dort übte die britische Besatzungsmacht ihre militärische wie zivile Kontrolle aus.

Am 30. August stellte Amelunxen sein zehnköpfiges Kabinett vor, dem auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Karl Arnold angehörte. Das Kabinett Amelunxen I. bildete vom 29. August 1946 bis zum 5. Dezember 1946 die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.

Amt Name Partei
Ministerpräsident Rudolf Amelunxen parteilos
Stellvertreter des Ministerpräsidenten Walter Menzel SPD
Inneres Walter Menzel SPD
Finanzen Franz Blücher (ab 10. September 1946) FDP
Justiz Eduard Kremer parteilos
Kultus Wilhelm Hamacher (bis 30. September 1946)
Rudolf Amelunxen (ab 30. September 1946)
Zentrum
parteilos
Verkehr Fritz Stricker Zentrum
Arbeit August Halbfell SPD
Soziales Heinz Renner KPD
Wirtschaft Erik Nölting SPD
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hermann Heukamp parteilos
Wiederaufbau Hugo Paul KPD

Neuer Landtag in der Oper

Einige Wochen nach der Ernennung Amelunxen konstituierte sich der von der britischen Militärregierung ernannte Landtag Nordrhein-Westfalens am 2. Oktober 1946 im Düsseldorfer Opernhaus. Das 1875 eröffnete Gebäude war durch Luftangriffe im November 1943 stark beschädigt worden und wurde nach dem Krieg provisorisch wiederhergerichtet. Es war der einzige Ort in der neuen Landeshauptstadt Düsseldorf, der für eine feierliche Konstituierung des Landesparlaments infrage kam.

Im ersten Teil der Sitzung wurde der Landtag mit einem Festakt feierlich eröffnet. Wichtigste britische Vertreter an diesem Tag waren der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungszone, Sir Sholto Douglas, sowie der Zivilbeauftragte der Besatzungsmacht für Nordrhein-Westfalen, William Asbury. Die Abgeordneten fanden im Zuschauerraum Platz. Weitere Parkettplätze, die Logen und die Ränge füllten britische Militärs und zahlreiche deutsche Ehrengäste, darunter Oberbürgermeister, Oberstadtdirektoren, Landräte, Oberkreisdirektoren, Oberstaatsanwälte und Journalisten.

Die Menschen in Nordrhein-Westfalen nahmen jedoch kaum Notiz von der ersten Sitzung des Landtags. Sie litten unter der Wohnungsnot in den zerbombten Städten und dem Mangel an Nahrungsmitteln im Land. In der Bevölkerung machten Gerüchte die Runde, dass die britische Besatzungsmacht Lebensmittel und Steinkohle nach Großbritannien ausführe.

Mit diesen Vorwürfen räumte der Oberbefehlshaber Sir Douglas im Opernhaus auf. Er verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage und machte klar, dass der Wiederaufbau hart sein und viele Opfer seitens der Bevölkerung erfordern würde. Den Abgeordneten machte Sir Douglas Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Kohle und der Stahl des Ruhrgebiets sollten der Schlüssel zum wirtschaftlichen Aufschwung sein.

Nach Reden des Ministerpräsidenten und des britischen Oberbefehlshabers wurden dem britischen Militärgouverneur in einer halbstündigen Pause Kabinett und einige Mitglieder des Landtags vorgestellt. Im zweiten Teil fand die konstituierende Sitzung des Landtags mit der Wahl von Landtagspräsident und Präsidium statt. Zum ersten Landtagspräsidenten wurde einstimmig Ernst Gnoß (SPD) gewählt, ebenso wie seine beiden Stellvertreter Karl Arnold (CDU) und Konrad Skrentny (KPD). Nach einer Ansprache des Landtagspräsidenten zur historischen Bedeutung der ersten Sitzung des Landtags Nordrhein-Westfalen, folgte die erste Regierungserklärung Amelunxens und die sich anschließende Aussprache.

Ministerpräsident Amelunxen legte in seiner Regierungserklärung die wichtigsten Ziele seiner Landespolitik dar. Die Kohleförderung sollte schnellstmöglich von 170.000 Tonnen auf mindestens 300.000 Tonnen pro Tag erhöht und die Beschäftigungsquote im Bergbau ausgebaut werden. Ebenso verwies der Ministerpräsident auf das Bekenntnis zur Demokratie und die Aufarbeitung der Vergangenheit:

„Wir müssen das Vertrauen der Welt wiedergewinnen. Das wird uns nur gelingen, wenn demokratisches Denken Gesamtüberzeugung und Lebenshaltung unseres Volkes werden, wenn die Hochachtung vor der persönlichen Freiheit und Würde, die Toleranz gegenüber jeder religiösen und politischen Überzeugung wieder existent sind.“

Landtag Nordrhein-Westfalen: Stenographische Berichte, Ernennungsperiode, 1. Sitzung, 02.10.1946, S. 11.

In der Debatte zur Regierungserklärung gab der Fraktionsvorsitzende der CDU und spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Konrad Adenauer, eine Erklärung ab und kritisierte das Vorgehen der Briten bei der Zusammensetzung des Landtags:

„Wir legen zunächst Wert darauf, festzustellen, daß die Regierung unabhängig ist von dem Votum dieses ernannten Landtages. Wir stellen ferner fest, daß in diesem Landtag die Parteien nicht entsprechend ihrer Stärke in der Bevölkerung vertreten sind. [Widerspruch, Zustimmung und Lachen.] Wir hoffen, daß nach Beendigung der Wahlen eine Korrektur in der Zusammensetzung des Landtages stattfindet. [Zuruf: Wir auch! Zustimmung rechts.]“

Landtag Nordrhein-Westfalen: Stenographische Berichte, Ernennungsperiode, 1. Sitzung, 02.10.1946, S. 13.

Mit der Wahl von Fachausschüssen und einem kurzen Schlusswort des Landtagspräsidenten endete die erste Sitzung des Landtages Nordrhein-Westfalen nach etwa zwei Stunden. Nordrhein-Westfalen hatte von nun an ein eigenes Landesparlament.

Kompetenzen und Struktur des ernannten Landtags

 

Erster Landtag von Nordrhein-Westfalen im Jahr 1946

Der von den Briten berufene „Ernannten Repräsentativen Rats” umfasste 200 Mitglieder, je 100 aus Nordrhein und je 100 aus Westfalen. Die Mandate wurden nach sich nach britischer Anweisung auf die Parteien verteilt.

In den Richtlinien der Militärregierung für die provisorische Landesregierung wurden die Befugnisse des ernannten Landtages näher definiert: Er hatte keinerlei gesetzgebende Gewalt, konnte der Militärregierung aber Gesetze vorschlagen. Der Landtag durfte eine beliebige Anzahl von Ausschüssen ernennen, die sich mit bestimmten Problemen befassen sollten, aber kein Kabinett oder eines seiner Mitglieder entlassen.

Mit der Verordnung Nr. 57 „Befugnisse die Länder in der britischen Zone“ vom 1. Dezember 1946 wurden die Befugnisse der Regierungen und gesetzgebenden Körperschaften in der britischen Besatzungszone neu geregelt. Dem ernannten Landtag wurde die ausschließliche Gesetzgebung für das Land oder eines seiner Teile vorbehaltlich übertragen – Gesetze mussten auch weiterhin der britischen Militärregierung vorgelegt werden.

Aus den Wahlen zu den Vertretungen der Gemeinden und Ämter am 15. September 1946 sowie zu den Vertretungen der Stadt- und Landkreise am 13. Oktober 1946 ging die CDU mit 46 % vor der SPD mit 33,4 % als stärkste Fraktion hervor. Die KPD mit 9,4 % und das Zentrum mit 6,1 % waren zuvor weit überschätzt worden. Die FDP erhielt nur 4,3 % der Stimmen. Vor diesem Hintergrund war eine Umbildung des Landtags entsprechend der Wahlergebnisse unumgänglich. Die britische Militärregierung ordnete am 29. November 1946 die Umbildung des Landtags entsprechend der Kommunalwahlergebnisse an.

Die Mandate verteilten sich nun wie folgt: CDU 92, SPD 66, KPD 19, Zentrum 12 und FDP 8 Mitglieder. Zwei der Abgeordneten waren zudem Kabinettsmitglieder. In seiner dritten Sitzung wählte das Landesparlament dann Dr. Robert Lehr (CDU) zum Landtagspräsidenten und den bisherigen Landtagspräsidenten Ernst Gnoß (SPD) zum Landtagsvizepräsidenten.

Ausblick

Die erste Phase des politischen Wiederaufbaus sollte wenige Monate später am 20. April 1947 mit dem ersten frei gewählten Landtag von Nordrhein-Westfalen enden. Der erste frei gewählte Ministerpräsident des neuen Landes wurde am 17. Juni 1947 der Christdemokrat Karl Arnold. Die CDU war bei der im April 1947 durchgeführten ersten Landtagswahl stärkste Partei geworden. Arnold regierte bis 1956. Seinem ersten Kabinett gehörten neben Mitgliedern des Zentrums auch Minister aus den Reihen der SPD und der KPD an.

Die Arbeit des ersten gewählten Landtags unterlag immer noch der strikten Aufsicht der Militärregierung. Diese Abhängigkeit von den Briten wurde durch das Besatzungsstatut vom 10. April 1949, in dem das Verhältnis zwischen Deutschland und den Alliierten neu geregelt und die Regierung Deutschlands durch die Militärgouverneure beendet wurde, gelockert und im Jahr 1955 durch Aufhebung des Besatzungsstatus durch den Deutschlandvertrag schließlich beendet.

Der Landtag sollte nach seiner ersten Sitzung nicht mehr ins Opernhaus zurückkehren. Die zweite Sitzung des Landesparlaments fand in den Henkel-Werken in Düsseldorf-Holthausen statt. Doch auch das war ein Provisorium – die Abgeordneten saßen auf Klappstühlen in engen Stuhlreihen nebeneinander und es gab keine weiteren Arbeitsräume. Im November 1946 wurde beschlossen, das kriegszerstörte Ständehaus in Düsseldorf für die Zwecke des Landtags wiederaufzubauen. Das ehemalige Parlamentsgebäude des Provinziallandtags der preußischen Rheinlande war vom März 1949 bis Juli 1988 der Sitz des nordrhein-westfälischen Landtags. Am 2. Oktober 1988  wurde dann der neue Landtag am Rhein eröffnet – bis heute der Sitz des Landtags.

 

Polybert49 / CC BY-SA 2.0)(

Polybert49 / CC BY-SA 2.0


Literatur- und Quellenverzeichnis:

Landtag Nordrhein-Westfalen: Stenographischer Bericht über die Eröffnungssitzung des Landtages des Landes Nordrhein-Westfalen, 2. Oktober 1946 in der Oper zu Düsseldorf. Online verfügbar unter: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMPEP1.pdf, letzter Aufruf am 15.05.2016.

Christoph Nonn: Geschichte Nordrhein-Westfalens. München 2009.

Renate Uhlig-Raddatz: Der ernannte Landtag 1946/ 1947, in: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen: 1946 – Politik und Alltag im Gründungsjahr des Landes Nordrhein-Westfalen. Eine Ausstellung des Landesarchivs und des Landtags NRW. Begleitpublikation zur Ausstellung. Duisburg 2006, Seiten 22-29.

 

 

Familien(über)leben nach Kriegsende

von Fabian Stein

Familie

Die Lebensweise der Familien nach Ende des Zweiten Weltkrieges würde man heute als vorindustriell bezeichnen[1]. Wie in einer Großfamilie lebte man eng beieinander[2], zum Teil auch mit zugewiesenen Fremden[3] oder Zuflucht suchenden Verwandten[4]. Unter den aufgenommen Verwandten spielten die Großväter eine besondere Rolle für die Kinder, indem sie die Väter ersetzten[5].

Einen spezifischen, von der Erwachsenenwelt abgeschirmten Raum für die Kinder gab es nicht, sowohl im übertragenden als im wörtlichen Sinne[6]. Darüber hinaus verlief der Alltag von Eltern und Kindern weitgehend getrennt, worüber beide Seiten durchaus froh waren[7]. Nur die Schule verblieb als besondere Situation für die Kinder[8]. Weiterlesen

Der „Ligabetrieb“ in NRW in der Nachkriegszeit. Oder: Der „Bratkartoffelfußball“ im Jahre 1946

Der Krieg ist frisch vorbei, die meisten Städte liegen immer noch in Trümmern. Arbeit, wo man geht und steht. Hunger plagt die Bevölkerung… Auf den ersten Blick scheint wirklich alles schlecht – wäre da nicht ein kleiner Funken Hoffnung!
Damals wie heute ist Fußball mehr als ein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung oder im Jahr 1946 passender Teil der täglichen Lebenserhaltung, zumindest in moralischer und ernährungsspezifischer Hinsicht.
Nachdem in Zeiten des Dritten Reichs keine Mannschaft den deutschen Fußball  in vergleichbarer Weise prägte wie FC Schalke 04, steht nun nach dem verlorenen Krieg und der ungewissen Zukunftsaussicht ein großes Fragezeichen vor den deutschen Umkleidekabinen in Gelsenkirchen und anderswo. Weiterlesen

„Operation Marriage“ – Zwangsheirat von Rheinländern und Westfalen

von David Pogatzki

„Es ist furchtbar, aber es geht“, sagten schon die Kabarettisten Jürgen Becker und Rüdiger Hoffmann. Seit dem 23. August 1946 leben die, dem Klischee nach, schweigsamen Westfalen und lebenslustigen Rheinländer offiziell im gemeinsamen Land Nordrhein-Westfalen.

Der Bindestrich im Namen lässt es erahnen: Am 23. August 1946 hatte die britische Militärregierung unter dem Codenamen „operation marriage“ (engl. Operation Hochzeit) das Bundesland Nordrhein-Westfalen durch den Zusammenschluss des nördlichen Teils der preußischen Rheinprovinz und der preußischen Provinz Westfalen aus der Taufe gehoben. Mit etwas Verspätung sollte Lippe im Januar 1947 im Nordosten des Landes dazu stoßen und Nordrhein-Westfalen in seiner heutigen Form entstehen.

Für die britische Besatzungsmacht ging es bei der Schaffung eines großen westdeutschen Landes aus Rheinländern und Westfalen um internationale Politik: Die Franzosen sollten beruhigt, die Sowjets ferngehalten werden  und die Rheinländer und Westfalen sowohl Kohle liefern als auch Demokratie üben. Es handelte sich um eine Vernunftehe, keine Liebeshochzeit!

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Die Presselizenzierung der Alliierten: Warum wurde welche Zeitung wann gegründet?

von Christopher Mastalerz

Um die Politik der Alliierten verstehen zu können, muss man zunächst klären, wie das Zeitungswesen vor 1933 funktionierte und welche Eigenschaften die Alliierten als ursächlich für die Machtergreifung der Nationalsozialisten gesehen haben. Der deutsche Zeitungsmarkt war überschwemmt von Lokalzeitungen, den sogenannten „Generalanzeigern“. Diese gaben sich vorwiegend als entpolitisiert, die Artikel zu überregionalen Themen wurden jedoch meist von wenigen zentralen Pressekonzernen, vergleichbar mit Presseagenturen eingekauft. Dadurch war die Vielfalt der Medien stark eingegrenzt, da diese Konzerne meist eine deutschnationale Ideologie vertraten. Weiterlesen

Grundlagen der #Entnazifizierung in NRW: Die Verordnung Nr. 24 des Alliierten Kontrollrats vom 12. Januar 1946

von Martin Reiter.

Mit der Verordnung (VO) Nr. 24 des Alliierten Kontrollrats trat am 12. Januar 1946 eine „einheitliche Rechtsgrundlage“ (Krüger 1982: 28) für die politische Säuberung in den vier Besatzungszonen in Kraft (den Volltext finden Sie hier oder im Original in den Beständen des Landesarchivs NRW, bspw. in LAV NRW R, NW 1094 Gen Nr. 85). In ihrer Zielsetzung griff die Verordnung eine zentrale Bestimmung des Potsdamer Abkommens vom 02. August 1945 auf und lieferte damit gleichzeitig eine Definition des Begriffs ‚Entnazifizierung‘:

Die Entfernung aller Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei, die ihr aktiv und nicht nur nominell angehört haben, und aller derjenigen Personen, die den Bestrebungen der Alliierten feindlich gegenüberstehen, aus öffentlichen und halböffentlichen Ämtern und aus verantwortlichen Stellungen in bedeutenden privaten Unternehmen. Diese sind durch solche Personen zu ersetzen, die nach ihrer politischen und moralischen Einstellung für fähig erachtet werden, die Entwicklung wahrer demokratischer Einrichtungen in Deutschland zu fördern. (VO Nr. 24, §1; vgl. Potsdamer Abkommen Kap. III, Abschn. A, §6)

 

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