Der Krieg ist frisch vorbei, die meisten Städte liegen immer noch in Trümmern. Arbeit, wo man geht und steht. Hunger plagt die Bevölkerung… Auf den ersten Blick scheint wirklich alles schlecht – wäre da nicht ein kleiner Funken Hoffnung!
Damals wie heute ist Fußball mehr als ein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung oder im Jahr 1946 passender Teil der täglichen Lebenserhaltung, zumindest in moralischer und ernährungsspezifischer Hinsicht.
Nachdem in Zeiten des Dritten Reichs keine Mannschaft den deutschen Fußball  in vergleichbarer Weise prägte wie FC Schalke 04, steht nun nach dem verlorenen Krieg und der ungewissen Zukunftsaussicht ein großes Fragezeichen vor den deutschen Umkleidekabinen in Gelsenkirchen und anderswo.

Wie sieht die Situation in der Stadt des Altmeisters aus?
Naturgemäß fehlt es einfach an allem – Material für den Wiederaufbau, Geräte um den Wiederaufbau durchzuführen und Menschen, die diesen finanzieren und realisieren.
Dennoch finden sich in Gelsenkirchen viele Freiwillige, wenn auch unterernährte Helfer, die aus der Glückauf-Kampfbahn wieder die alte Heimat des FC Schalke 04 herrichten.
Dann endlich, genauer gesagt am 7. Juli 1946, ist der FC Schalke endlich wieder Zuhause. Mit einem 5:0 gegen Westfalia Herne schickt der Altmeister die Gäste nach Hause. Spieler, Trainer und Zuschauer liegen sich in den Armen! Aber es bleibt die Frage, wie es nun weitergeht: Wird es jemals wieder Spiele um die deutsche Meisterschaft geben? Und, wie lassen sich diese realisieren?

In vielen Fußballstädten in NRW ist die Situation ähnlich. Die sogenannten „Bratkartoffelspiele“, nichts anderes als Freundschaftsspiele mit der im Titel genannten Siegprämie, sind begehrter als die letzten Spiele der, nach alten Regeln organisierten, Westfalenliga. Die „Bratkartoffelspiele“ werden zum Rettungsanker für viele Mannschaften aus NRW. Für jedes Tor ein Sack Kartoffeln, bei einem Sieg häufig ein Pfund Speck und eine Palette Eier sind besonders gern gesehene Siegprämien.
Kein Wunder also, dass es in vielen Spielen eine regelrechte Torflut gab.
Zu dieser Zeit gewinnt der bezahlte Fußball mehr an Priorität. Zwar spielt Geld im Fußball keine große Rolle, dennoch wird hier – wenn man so will – der Profifußball geboren. Natürlich ist die heutige Situation im Fußball, in denen Millionen verdient werden, nicht mit den Maßstäben von 1946 zu vergleichen, in denen es galt, seine Familien und sich über die Runden zu bringen. Große Vereine locken talentierte Spieler mit Nahrungsmitteln und Wohnungen und geben zudem Aussicht auf einen gut bezahlten Beruf. Obwohl man bereits als Fußballer (in der Freizeit) kleinere Gehälter kassierte, wurde hauptamtlich trotzdem malocht, wobei eine 48-Stunden Woche dabei als normales Arbeitspensum gilt. Da wundert es schon, wie hart man 1946 im Nehmen sein musste, um z.B. in Düsseldorf mit lediglich 1.014 Kalorien am Tag auszukommen.
Untersuchungen zufolge hat sich durchschnittliche Leistungsfähigkeit der Bürger zu dieser Zeit auf ca. 30% reduziert. Essbares war überall eine Mangelware!
Im Falle des FC Schalke 04 konnten die Spieler nur aufgrund der Siegprämien den Kraftakt eines Fußballspiels vollbringen. So wurden z.B.  beim „Bratkartoffelspiel“ bei der SG Geldern, welches 10:0 gewonnen wurde, der Essensspeicher wieder aufgefüllt, um einen Tag später in der Westfalenliga mit einem 6:0 gegen Milspe wieder den Punktespeicher auffüllen zu können.

Auch am Niederrhein war der Fußball ein beliebtes Mittel, um schnellstmöglich die Grauen des 2. Weltkriegs vergessen zu können. Man wollte schnellstmöglich zu einem normalen Alltagsleben zurückkehren können.

Im Stadion von Borussia Mönchengladbach, das einige Monate zuvor noch als Panzer- und Armeeparkplatz diente, wurde schon bald versucht, reguläre Meisterschaftsspiele stattfinden zu lassen. Ein offizieller Ligabetreib war jedoch nicht einfach umzusetzen. Gleich mehrfach mussten schon laufende Ligen pausiert und aufgelöst werden, weil nicht alle Vereine mit der Zusammensetzung zufrieden waren und protestieren. Der Fußball spielt in den Köpfen der Menschen schon frühzeitig eine wichtige und entscheidende Rolle. Probleme – wie die Nahrungsmittelknappheit – wurden gerne mit dieser Sportart verbunden, um eine Lösung für beides zu finden.

Die Sensation für alle Gladbacher war sicherlich der Besuch einer der stärksten Mannschaften der damaligen Zeit – dem FC Schalke 04. Ein paar Säcke Kartoffeln und Rollen Stoff sind die Vergütung für einen Antritt der Gelsenkirchener, der erst durch Mithilfe des britischen Sportoffiziers in Mönchengladbach, Oberleutnant McCormeck, möglich gemacht wurde. Der Besuch der Schalker ist ein Erfolg, für den Fußball und das alltägliche Leben in der Umgebung. Das eindeutige Ergebnis 0:6 der Gladbacher ist da nur eine Randnotiz.